Ein tragbares Oxymoron zum Fashion Revolution Day

Mit dem nachhaltigen Konsum ist es ja so eine Sache. So richtig geht das nicht zusammen, und eigentlich gehört „nachhaltiger Konsum“ zum stummen Schrei, dem offenen Geheimnis und dem alten Knaben – in die lange Liste der Oxymora. Nachhaltiges Konsumieren ist ein Gegensatz in sich.

So ähnlich wie es nicht erst seit Schulz von Thun niemanden gibt, der nicht kommuniziert, gibt es keinen Nicht-Konsum: Am nachhaltigsten konsumiert, wer gar nichts kauft.

Natürlich ist es eine schöne Vorstellung, shoppend die Welt zu retten, und ein Leben als LOHAS ist sicher nicht das schlechteste. Und klar kann ich als Konsumentin Zeichen setzen, zum Beispiel indem ich Ökostrom beziehe. Wie schwierig es aber ist, beim Konsumieren keinen Schaden anzurichten, wie unglaublich lang die globalen Herstellungs- und Lieferketten sind, das ist die andere Seite. Der SPIEGEL hat das kürzlich noch einmal an vielen Beispielen nachvollzogen. Kurz und nicht so gut: Es ist ein sehr mühseliges Unterfangen, den Gegensatz zwischen Konsum und Nachhaltigkeit aufzuheben.

Ich versuche vor jeder Kaufentscheidung drei Fragen zu beantworten, die eigentlich als Entrümpelungshilfe gedacht sind:

brauche ich es wirklich

Ich bemühe mich, dabei möglichst ehrlich zu sein. Aber die letzte Frage ist ein Hintertürchen, das sich sehr leicht aufschubsen lässt. Was ist Glück? Damit lassen sich mit ein bisschen gutem Willen ziemlich viele Kaufentscheidungen schönreden.

Heute ist Fashion Revolution Day, der an die über 1.100 Menschen erinnert, die vor zwei Jahren beim Einsturz der Textilfabrik in Rana Plaza gestorben sind. Überall auf der Welt drehen Menschen ihre Kleidungsstück auf links und fragen: „Who made my clothes?“

Aus Marokko hat auf hoffentlich sehr nachhaltigem Weg gestern ein neues T-Shirt in meinen Kleiderschrank gefunden. Der Schnitt gefällt mir. Der Stoff ist wunderbar weich. Und der Nackenlappen verspricht mir obendrein noch ein gutes Gewissen plus ein bisschen Dawanda-Wärme: Made under fair conditions and with all our love.

Peacock

Ich wäre auch ohne neues T-Shirt angezogen durch den Sommer gekommen. Es erleichtert mir allerhöchstens die Beantwortung der Frage, was ich denn heute mal so anziehen könnte. Aber auf Frage Nummer Drei kann ich sagen: Ja, soweit Kleidungsstücke eben glücklich machen, macht mich dieses neue T-Shirt glücklich.

Gekauft habe ich es aus purer Eitelkeit. Ich finde es daher nur folgerichtig, dass ein Pfau darauf prangt – mein Oxymoron zum Anziehen.

 

Das Longsleeve Amy Peacock von Armedangels kommt aus Marokko. Zu kaufen unter anderem im wunderbaren Avocadostore, der diese Woche seinen fünften Geburtstag feiert.

2 Gedanken zu “Ein tragbares Oxymoron zum Fashion Revolution Day

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