Revolution statt Mäusemelken

Non, je ne schmoll pas!

„Du klingst ja wie ein Topf voller Mäuse“, sagte mir kürzlich ein Freund am Telefon, als das alles hier losging. Hatte ich noch nie gehört, aber es passte schon, alles wuselte so vor sich hin in mir: Wut, Erschöpfung, jede Menge Fragezeichen, löffelweise Enttäuschung und auch Verzagtheit. Ein einziger Mäusesalat. Ich fühlte mich verstanden und war gerührt.

Bis ich die Redewendung später nachschlage und feststelle, dass „ein Topf voller Mäuse“ eine Person beschreibt, die ein „verdrießliches Gesicht macht“, und zwar besonders „schmollende Frauen“. Und just als ich das herausfinde, zack, passt es schon wieder. Die Rührung verpufft, ich bin verstimmt.

Da gefällt mir die französische Wendung schon besser: être éveillé comme une potée de souris, heißt es dort ungleich eleganter, munter wie ein Topf Mäuse. Schon besser, das klingt nach kribbelnder Energie, nach elektrisierenden Ideen, nach lebendigem Durcheinander, das nehme ich.

Besser als Mäusemelken

So ein bisschen französische Münterkeit kann wirklich nicht schaden. Immerhin ist zwischen Vollzeit-Homeoffice und Teilzeit-Homeschooling, zwischen all den Videokonferenzen und dem Homekindergardening eigentlich gerade alles zum Mäusemelken. Vor allem mit der Aussicht darauf, dass das alles noch wochen- und monatelang, womöglich ein ganzes Jahr, so weitergeht.

Non, je ne schmoll pas, je m’appelle Énergie! Ich bin bloß un petit peu ungehalten. Und so ein Muttertag eignet sich doch ganz hervorragend für eine klitzekleine Revolution, n’est ce pas?

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