Pimp My Tarte

Das war nämlich so. Ich hatte einen Geburtstagskuchen für meine Freundin C. gebacken. Mit Schokoguss, rosa Zuckerherzen und lila Lillifee-Glitzerschrift. Plus Extra-Spezial-Tortenwimpelkette obendrauf, weil die Freundin Wimpelketten so gern mag. Darunter verbarg sich eine Tarte au chocolat, und als der Kuchen nach Mitternacht angeschnitten wurde, war die erste Verkösterin sofort begeistert: „Hmmmm, die ist aber schokoladig!“ Nicht wahr, meinte meine Freundin, das Rezept hätte sie auch. Schon vor Jah-ren von mir bekommen. Aufwändig. Extra für sie gebacken! Oh je. Ich nickte.

Auch die zweite Verkostung sorgte für Begeisterung: „Die ist aber lecker!“ Die dritte: „Boah!“ Die vierte: „Hammer!“ Die Tarte schmolz dahin, alle wollten und sollten probieren, ignorierten Sättigungsgefühle, warfen Diätpläne über den Haufen, aßen und schwärmten. Man lobte den Kuchen und mich, und ich stand da und schwieg, hin- und hergerissen zwischen Stolz und Unbehagen.

Es kam, wie es kommen musste.

„Wie viel Schokolade gehört denn da rein?“

Ich schluckte. Es war schon zu lange über den Kuchen gesprochen worden.

„Oh, viel.“ Ich sehe mich um, ob nicht noch etwas aufgeräumt werden könnte.

„Wie viel denn genau?“, will jemand wissen.

Wenn ich jetzt mit der Wahrheit herausrücke, wäre das sehr seltsam, denke ich, und krame in meiner Erinnerung nach dem Rezept: „Genau genommen nimmt man ganz viel Schokolade auseinander und setzt sie in Tortenform wieder zusammen.“

Nicht mal gelogen. Puh.

„Echt?“, fragt jemand.

„Was hast du denn gedacht?“, meint eine andere.

Erwartungsvolle Blicke in meine Richtung. Noch mehr Hmmmmmms im Hintergrund. Können die nicht endlich Ruhe geben?

„Naja, unter Zugabe von viel Butter und reichlich Zucker.“

„Ach herrje.“ Sorgenvoller Blick auf den Teller.

„Na, von nix kommt nix“, ruft unerschrocken die Sitznachbarin. „Das Rezept will ich auch haben!“

„Kein Problem“, meint meine Freundin, zufrieden, so viel begehrtes Geheimwissen zu hüten und reicht die Reste der Tarte herum.

Verlegen fange ich an, Teller einzusammeln und überlege, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich selbst nach dem Rezept fragte. Was ich sehr selten tue. Aber das war so unglaublich lecker. So schokoladig. „Die Tarte?“, bekam ich zur Antwort. „Das ganze Geheimnis ist, sie zwei Minuten zu früh aus dem Ofen zu holen.“ Kurzer Blick, ob auch keiner lauscht: „Dr.Oetker.“

23 Minuten, keine Sekunde länger. War bisher immer ein Riesenerfolg. Und aufgeflogen bin ich noch nie. Bis heute.

4 Gedanken zu „Pimp My Tarte“

  1. Was las ich gerade auf einer Werbetafel eines mir unsympathischen Discounters? „Gut ist, was schmeckt.“ :-D. Was für ein Krampf um eine Fertigmischung, da backe ich doch lieber selbst 😉

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    • Ich würde es jederzeit wieder tun! Discounter sind so eine Sache, Fertiggerichte mag ich nicht – aber ein Leben ohne die Tarte au chocolat von Dr. Oe.? Niemals! 🙂

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  2. „Qualität ist das beste Rezept“ lautet ja der Slogan vom Lieferanten deiner Fertigmischung. Dessen Gültigkeit hat du mit deinem sehr coolen Text und dem immer wieder leckeren Kuchen selbst bewiesen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder solch ein „Küchengeheimnis“ in seinem Rezeptbuch stehen hat.

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    • Du kennst den auch? Ich bin baff! 🙂 Hast Du noch andere Küchengeheimnisse? Außer den „Mama-kocht“-Rezepten, meine ich?

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