Sehen Sie? Die Liebe!

So ganz genau weiß ich nicht, wie der Mann im Park es schaffte, mir in so kurzer Zeit so viel zu erzählen. So nebenbei, so unaufdringlich, so nachdrücklich.

Drei Kinder habe er. Schon früh sei er einer klasse Frau begegnet, sagte er, drei Töchter hätten sie bekommen. Frei von finanziellen Sorgen, für eine Weile habe er den Tischlereibetrieb der Eltern übernehmen können, die von Italien nach Bayern gekommen waren. Ein gutes Leben.

Er gestikuliert sparsam, spricht wie ein Münchner. Ich frage, was ihn nach Hamburg verschlagen habe.

Eine Frau, lacht er, die Liebe, wie es so kommt im Leben. Beim Segeln in der Ägäis seien sie sich begegnet. Und er liebe sie noch immer. Sehr.

Es könne ja niemand etwas dafür.

Als Mann, und als Arzt, der er später geworden sei, habe er alles für sie getan. Gerade warte er auf sie, einkaufen sei sie. Allein, das sei ein Fest für sie, nach allem.

Kurz darauf geht ein Leuchten über sein Gesicht. Da, sagt er, da kommt sie! Sehen Sie?

Und ich sehe sie. Eine Frau, die auf ihren Knien eine große pinke Filztasche balanciert, ganz klein sieht sie aus in ihrem Rollstuhl, die Schultern schief, der graue Kopf schwer, die Augen trüb.

Doch das meint er nicht, und ich kann sehen, was er sieht. Eine große, stolze Erscheinung kommt uns entgegen, da, im Rollstuhl, das Glück, der wunderbarste Mensch, den man sich vorstellen kann. Eine Frau, an die man im Handumdrehen sein Herz verliert und der man ohne zu Zögern nach Hamburg und auch sonst überallhin folgt, um sie für immer zu lieben. Solange sie da ist. Und weit darüberhinaus.

Schreibe einen Kommentar