You are what you eat (2) – Tag des Butterbrotes

Stullenalarm! Heute ist Tag des Butterbrotes. Aber wer denkt sich so etwas eigentlich aus? Und warum? Feiert das irgendjemand?

Zu verdanken hat die Welt den kuriosen Gedenktag der CMA, der Centralen Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (jawohl, mit c!). Dort saß man offenbar Ende der Neunziger zusammen und sagte sich: Wir müssen endlich etwas tun! Die deutschen Butterbrotbauern brauchen unsere Unterstützung! Rettet die Stulle!

Die CMA selbst gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr, doch der Gedenktag hat überlebt. Heute spielt DIE WELT das Lied vom Brot und auch die Butterbrotinitiative freut sich.

Ich persönlich wusste bis vor Kurzem nichts vom Tag der Stulle und habe sie noch keinen einzigen letzten Freitag im September gewürdigt. Eigentlich bin ich auch kein großer Butterbrotfan, ziehe aber – gerade unterwegs – eine selbst geschmierte Stulle jedem Unterwegs-mal-eben-schnell-an-einer-Bude-gekauften-Imbiss vor. Das schmeckt besser, ist sehr ökonomisch und macht wenig Müll. Um meine Stullen bin ich schon auf vielen Buchmessen beneidet worden.

SO_I_AM_CHEESE_SANDWICHDas liegt vielleicht nicht nur an der Alternative (Tomaten-Mozzarella-Semmeln, in Buchmessenluft gereift und darum sehr teuer) sondern auch daran, dass jede Stulle Handarbeit ist. Schließlich hat irgendjemand sich die Mühe gemacht, sie zu schmieren, morgens in der Küche, fürsorglich, für später. Ein Mann, eine Freundin, man selbst, daher schwingt immer so ein bisschen heimeliges Kümmern mit.

Um die Ecke hat kürzlich ein Café aufgemacht, wo mit den tollsten Kreationen beschmierte Stullen und Brötchen in rotweißkariertem Papier in der Auslage locken. Drumherum sieht alles so ein bisschen dawandaesk aus, bunte Kacheln an den Wänden, kein Sesselchen gleicht dem anderen, jeder Stuhl, so scheint es, ein Vintage-Einzelstück. Doch als ich nach einem unbelegten Brötchen für das Kind frage, gibt es keins. „Tut uns leid, das läuft hier alles zentralisiert“, bedauert die junge Frau hinterm Tresen. Von wegen liebevoll beschmiert: Angeschmiert, so sieht’s aus.

 

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